Projektgruppe:

Das „freundliche“ Mannheim im 18. Jahrhundert – als Reiseort


 

Urlaub in Mannheim? Im 18. Jahrhundert wurde Mannheim, ein verschlafenes Nest irgendwo in der Rheinebene zwischen Oden- und Pfälzerwald plötzlich eine gefragte Stadt – hier saß der Kurfürst, hier gab es Kultur und buntes Treiben.

 

Eine kleine Gruppe von Schülerinnen und Schülern hat eine ganz besondere Quellengattung auseinandergenommen: Die Reiseberichte. Wer ist gereist? Wie ist er gereist? Von wo kam er? War Mannheim das eigentliche Ziel, oder war das doch eher der Weg, wie man so schön sagt? Beschäftigt man sich mit diesem Thema, wird zügig klar, dass es einiges zu erklären und zu entdecken gibt, und man viel über die Vergangenheit der eigenen Stadt erfahren kann.

 

Unweigerlich taucht man ein in das Alltagsleben der Menschen des 18. Jahrhundert. Zwar war das Reisen selbst nicht für jeden in dieser Zeit Alltag, war es doch nicht unbedingt ein günstiger Zeitvertreib. Wer aber reiste, und sich auch dazu entschloss, dies für die Nachwelt festzuhalten, der konnte Zeugnis von seinen vielen Erlebnissen und Beobachtungen ablegen. Was erlebten diese Menschen, was zog sie nach Mannheim? Was fällt einem auf, wenn man sie mit anderen Reiseberichten vergleicht? Fragen über Fragen. Sicherlich finden wir ein paar Antworten.

 

Heute können wir uns auf Grundlage der Schilderungen ein eigenes Bild von Mannheim in seiner Blütezeit machen. Der Kurfürst, der mit den Bürgern der pittoresken Nachbargemeinde Heidelberg einen „Beef“ hatte, wie man heute so schön auf Neudeutsch sagt, residierte nun in Mannheim und machte es für Reisende, Künstler und Arbeiter attraktiv. Zwar verblieb das Herrschergeschlecht auch nicht dauerhaft in der heutigen Rhein-Neckar-Metropole, zog es sie doch in weiß-blaue Gefilde – aber ihre Spuren haben sie hinterlassen. Mannheim wuchs kontinuierlich weiter.

 

Die Stadt wurde für viele Persönlichkeiten interessant, zum Beispiel für Sophie LaRoche, eine für ihre Zeit emanzipierte Schriftstellerin und Herausgeberin einer Frauenzeitschrift, die ihren (Fantasie-) Freundinnen von ihren Erlebnissen in Briefform berichtete. Auch Friedrich Schiller kam zu dieser Zeit nach Mannheim, dessen guter Freund Andreas Streicher von der Flucht des Dichters detailreich erzählt – zweifelsohne eine etwas weniger entspannte Form des Reisens.

 

Schnell merkt man, dass sich doch einiges vom heutigen Reisen unterschied. Der Luxus von asphaltierten Bundesstraßen war weit entfernt, eine Reise war durchaus noch ein Abenteuer. Man musste Geduld und gute Nerven mitbringen, da man zu Pferde oder mit dem Ochsenkarren, oder gar per pedes reiste. Wo kam man unter? Wie verpflegte man sich auf der langen Reise, und vielleicht die wichtigste Frage am Ende: War Mannheim denn eine Reise wert?